Familienexperte für "positive Diskriminierung" von Eltern im Beruf

 

Günter Danhel vom Institut für Ehe und Familie plädiert für neue "kinderorientierte Steuer-, Sozial- und Familienpolitik" (10.05.2011)

 

Wien (KAP) Berufstätige Eltern sollen durch besondere gesetzliche Maßnahmen im Berufsleben unterstützt und bevorzugt werden. Dafür plädierte der Leiter des Instituts für Ehe und Familie (IEF), Günter Danhel, bei einer Expertentagung in Stift Lambrecht. "Statt einer positiven Diskriminierung aus Geschlechterperspektive sollte bevorzugt behandelt werden, wer zum Unterhalt von Kindern verpflichtet ist", so der kirchliche Familienexperte. Dies sei nur ein Beispiel für eine neue "kinderorientierte Steuer-, Sozial- und Familienpolitik", für die Danhel im Gespräch mit "Kathpress" am Dienstag plädierte.

 

Entscheidend für die "Erhaltung der sozialstaatlichen Sicherung" sei eine "bevölkerungspolitische Familienpolitik", bei der Kinder nicht "Mittel", sondern nur "Ziel" und "Zweck" sein dürfen. Dafür brauche es laut Danhel ein langfristiges politisches Planen im Sinne von mehr "Fernverantwortung der Politik". Dieser "Paradigmenwechsel" verbunden mit einer politischen Neukonzeption sollte durch "ein Verfassungsgebot zur umfassenden Kinder und Familienorientierung" zum Ausdruck gebracht werden.

 

Der IEF-Direktor schlug als Konsequenz daraus ein "Familiy Mainstreaming" und den Ausbau von "politischen Familienrechten" vor: "Dazu gehört eine zumindest gleich effektive Interessensvertretung wie etwa im Seniorenbereich". Weiters sei "die Einführung eines Kinderwahlrechts" zu prüfen, das durch Eltern stellvertretend ausgeübt wird.

 

Auch das Steuersystem bedürfe "einer grundsätzlichen Neukonzeption", beispielsweise "durch steuerfreie Existenzminima für alle Familienmitglieder" und durch die Gleichbehandlung aller Einkunftsarten. Auch der bisherige "Familienlasten-" solle zu einem echten "Familienleistungsausgleich" weiterentwickelt werden. Dies sei laut Danhel notwendig, damit politisch relevante Leistungen der Familien wie Erziehung, Betreuung und Pflege "besser als bisher wahrgenommen, bewertet und abgegolten werden".

 

Schließlich sei auf dem Weg zu einer umfassend kinder- und familienfreundlichen Gesellschaft das "Prinzip der Generationengerechtigkeit" zu beachten. Laut Danhel soll demnach der "nachwachsenden" Generation zumindest die gleichen Lebenschancen ermöglicht werden, wie der Generation vor ihr. Dafür könnte "Generationenbilanzen" erstellt werden, wofür bereits konkrete Rechenmodelle zur Verfügung stünden. Sie wären ein Instrument dafür, um die "Nachhaltigkeit einer bestimmten Finanz- und Sozialpolitik sowie deren Verteilungswirkung zwischen den Generationen" künftig beurteilen zu können.

 

Günter Danhel präsentierte seine Vorschläge jüngst bei der "Denkwerkstatt" im steirischen Benediktinerstift St. Lambrecht, die sich mit dem Thema "Reiche Gesellschaft mit Zukunft" befasste. Die wissenschaftliche Leitung der Expertentagung lag beim Wiener Arbeits- und Sozialrechtslehrer Prof. Wolfgang Mazal.

ms - Montag, 16.05.11, 20:05 - Aktuelles - 3104x - pencil Link

Sie können diesen Artikel drucken, per Mail versenden oder als PDF exportieren.